Die Suche
nach dem Traumgrundstück
Sie dauerte
lange und sie kostete uns sicher den ein oder anderen Nerv: Unsere Suche
nach dem Traumgrundstück. Nun gut, unsere Wunschliste war nicht ganz
ohne: groß sollte es sein, sonnig, schön geschnitten, voll erschlossen
und möglichst verkehrsgünstig in Falkensee gelegen. Ach ja, und preislich
musste es natürlich auch passen.
Nachdem
wir regelmäßig Internet und Zeitungen nach Angeboten durchforstet, wochenends
Grundstücke besichtiget und unzählige Exposés bei Maklern anfordert
hatten, war es dann endlich - irgendwann im Sommer 2006 - soweit: "Heureka!"
Da war es, wir hatten es gefunden: unser Traumgrundstück. 952 m² groß,
mit Südausrichtung, komplett erschlossen und schön ruhig im Stadtteil
Finkenkrug gelegen.
Als Skeptiker,
wie wir es nun mal sind, haben wir es auf Herz und Nieren geprüft: die
Bebaubarkeit bei der Stadtverwaltung nachgefragt, die Erschließung durch
die Versorger bestätigen lassen und ein Bodengutachten in Auftrag gegeben.
Keine Beanstandungen: die Sache ist gebongt! Lasst uns zur Tat schreiten...

"der
- die - das" Juristendeutsch für Anfänger
Ich weiß
nicht, ob es nur uns so ging, aber beim Grundstückskaufvertrag hatten
wir manchmal das Gefühl, gerade unsere Seele an den Teufel zu verkaufen.
Der Vertragsentwurf war 39 Seiten lang, allein die Namen der Verkäufer
- eine Erbengemeinschaft - zogen sich über drei Seiten hin. Aber das
war nichts gegenüber dem, was folgte: Juristen-Kauderwelsch erster Güte.
Für Normalsterbliche ohne zweites Staatsexamen taten sich dort bislang
ungekannte Auswüchse der deutschen Sprache auf. Extremst verschachtelte
Satzgebilde, bei denen man schon in der Mitte nicht mehr weiß, wie sie
vorn anfingen. Sätze, die zwei Drittel eines Blattes einnehmen und -
ist das Advokaten-Usus? - nicht ein einziger Artikel im Text. Rein inhaltlich
wurden sämtliche Rechte auf nachträgliche Beanstandung ausgeschlossen.
"Gekauft wie gesehen" - eben wie beim Gebrauchtwagen. Um sicher zu gehen,
haben wir den Vertrag vorab von einem Fachanwalt prüfen lassen.

High-Speed-Lesung
und fünf Unterschriften
Dann kam
endlich der große Tag: Unser Notartermin zur Beurkundung des Grundstückskaufvertrags.
Und nun weiß ich auch, welche Berufsgruppe dafür prädestiniert ist,
Werbesprecher für "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt
oder Apotheker" zu werden: Notare! Unser Exemplar ratterte in einem
Affenzahn durch den Vertragstext, so dass einem schwindelig wurde. Es
war halt schon abends und vermutlich wollte er zu Frau und Kind oder
aber ein kühles Blondes zum Feierabend zischen. Meine fein zurecht gelegten
Zwischenfragen störten etwas seinen Redefluss und vermiesten ihm wahrscheinlich
seinen "Worte-pro-Minute-Rekord".
Beim Kapitel
"Altlasten" überkam mich eine akute Panikattacke. Wir wollten nämlich
formuliert haben, dass das Grundstück ohne Einschränkung "frei von Altlasten"
übergeben wird, wir also beim Aufbuddeln nicht irgendwelche alten Ölfässer
oder Bauschuttdepots vorfinden. Nein, nein, davon wüssten die jetzigen
Eigentümer nichts. Aber man kann halt auch nicht alles wissen: Wenn
zum Beispiel ein britischer Bomber ´ne Fliegerbombe auf unserem Grundstück
hat fallen lassen - so führte der Verkäufer bildhaft aus - kann der
Blindgänger natürlich noch irgendwo liegen, ohne dass man als Verkäufer
davon weiß. Aber das wäre ja auch unser Problem. Wir lernten also: "Unkenntnis
schützt den Verkäufer vor allen Konsequenzen". Das war dann auch der
Moment, in dem mir so richtig schlecht wurde und alle Zweifel, ob das,
was wir hier machen, richtig ist, mit einem mal hochkamen.
Nun gut,
unserer Penetranz sei dank, dass wir zumindest ein Rücktrittsrecht in
den Vertrag aufnehmen konnten, falls das Grundstück nicht bebaut werden
kann.
Übrigens:
Zur Unterschrift durfte ich dann nicht meinen eigenen Kugelschreiber
nehmen. Vermutlich aus Angst, ich hätte ihn mit Zaubertinte präpariert,
die sich - hokus pokus - in Luft auflöst.
Jetzt ist
es vollbracht und wir feierten unseren großen Schritt bei einem leckeren
italienischen Essen in der Abendsonne am Falkenhagener See. Circa vier
Monate später hielten wir dann tatsächlich die Grundbuchauszügen mit
unseren Namen in Händen. Und bis jetzt musste auch noch kein Blindgänger
entschärft werden... Toi, toi, toi!
"Money
for nothing"
Nun haben
wir unser Grundstück und die 18 Verkäufer jeweils einen schönen Batzen
Geld in der Tasche. Aber es ist schon beeindruckend, wer sich außerdem
so alles über unseren Grundstückskauf freuen konnte:
- Der
Makler machte den größten Reibach und sackte gleich nach dem Notartermin
sechs Prozent des Kaufpreises als Provision ein. Unglaublich,
wie man mit so wenig Aufwand so viel Geld verdienen kann.
- Das
Finanzamt überraschte uns mit der Schnapszahl von 2 x 1.111 EUR und
stieß damit auf ein sattes Einnahmeplus bei der Grunderwerbsteuer
an.
- Fast
750 EUR flatterten in die Kaffeekasse des Notariats.
- Die
Stadt Falkensee kassierte 90 EUR, um zu prüfen, ob sie ihr Vorkaufsrecht
in Anspruch nehmen will.
- Die
Landesjustizkasse war mit knapp 300 EUR am Jackpot beteiligt.
Hab ich
wen vergessen? Ganz bestimmt, aber wer will denn so kleinlich sein ;-)
Arbeitseinsatz
Bis es
nun endlich losgehen kann, ist es noch einige Zeit hin. Schließlich
haben wir uns noch nicht einmal für eine Baufirma entschieden. Daher
nutzen wir die Zeit, um unser zugewuchertes Grundstück frei zu räumen
und den alten Maschendrahtzaun mit seinen leicht überdimensionierten
Betonfundamenten zu entfernen. Es liegt ganz schön viel Krimskrams herum:
Metall, Flaschen, altes Spielzeug, sogar ein uriges, vollkommen verrostetes
Bügeleisen … Noch viel zu tun, bis Land in Sicht ist! Aber: Es ist ein
tolles Gefühl - unser eigenes Grundstück! Unglaublich, aber wahr!

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